Die transrheinische Kooperation schreitet voran…

Neue Perspektiven eröffnete die Veranstaltung des Deutsch-Französischen Wirtschaftsclubs Oberrhein und der Wirtschafts- und Handelskammer Elsass Eurometropole (CCI Alsace Eurométropole) im Rahmen der Woche des Europäischen Unternehmers. Das Thema der Veranstaltung lautete: „Die Zukunft der Jugend im Oberrhein. Die grenzüberschreitende Ausbildung – ein wichtiges Instrument“.

Zu diesem Anlass fanden sich am 12. November wichtige Akteure der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in einem vollbesetzten Saal in der Wirtschafts- und Handelskammer ein, um das sehr interessierte Publikum über neue Entwicklungen im Bereich der transrheinischen Kooperation zu informieren.

Wo steht die « transrheinische » Kooperation heute, 15 Jahre nach der Erklärung von Jacques Chirac und Gerhard Schröder?

Herr Peter WEISS, Abgeordneter im Berliner Bundestag für den Kreis Emmendingen/Lahr, engagiert sich seit Jahren sehr stark für diese Zusammenarbeit. Er spricht lieber von einer „transrheinischen“ als von einer „grenzüberschreitenden“ Kooperation, gilt es doch heute, sich von der Vorstellung der Grenze zu lösen und den Oberrhein zu einem Raum zu machen, in dem Bürger aus dem Elsass, aus Baden, der Nordschweiz und der südlichen Pfalz zusammen leben.

Herr Jean Luc HEIMBURGER, Präsident der Wirtschafts- und Handelskammer Elsass Eurometropole schlägt in die gleiche Kerbe: Die Kooperation im Oberrhein steht stellvertretend für den europäischen Gedanken. Gelingt es uns nicht, Hindernisse und Störfaktoren (von denen im Übrigen 243 identifiziert wurden) im Handel zu beseitigen, ist Europa zum Scheitern verurteilt.

Somit ist der Ton vorgegeben: Europa wird auf lokaler Ebene und durch konkrete Tatsachen umgesetzt. Herr Sylvain WASERMAN, Vize-Präsident des Parlaments, Abgeordneter für das Departement Bas-Rhin und Autor einer vielbeachteten Studie (6 propositions pour innover au coeur de l’Europe [6 Vorschläge für Innovation im Herzen Europas]), setzt sich ebenfalls in diesem Sinne ein. Herr Waserman spricht insbesondere die Schaffung eines deutsch-französischen Parlaments im Rahmen der Reformierung des Elysée-Vertrages an. Seines Erachtens wird ein solches Parlament einen historischer Schritt darstellen und nicht nur den deutsch-französischen „Motor“ stärken, sondern auch für eine substantielle Verbesserung im Handel und in allen Lebensbereichen der Bürger sorgen, so durch die gleichzeitige und identische Umsetzung von europäischen Richtlinien und eine Harmonisierung des jeweiligen gesetzlichen Rahmens in Deutschland und Frankreich. 

Diese Initiative wird neue Perspektiven für Innovationen auf lokaler Ebene eröffnen und der Region Oberrhein endlich die seit langem erhoffte Dimension eines „Labor Europas“ verleihen; die neue „Europäische Kollektivität Elsass“ kommt dieser Initiative entgegen und wird dabei eine wichtige Rolle spielen.

Für Herrn Wolfgang GRENKE, Präsident der Internationalen Handelskammer und Vize-Präsident der Eurochambres in Brüssel, liegen die Dinge ganz klar. In einer Zeit, in der die Menschen mehr Bürgernähe fordern, nimmt die Bedeutung der Regionen und Metropolen zu. In Brüssel wird die Kooperation im Oberrhein als Modell für andere Regionen betrachtet und dementsprechend stark unterstützt. Zweifelsohne wird der innovativen Region Oberrhein im Rahmen des europäischen Aufbauwerks eine zunehmende Bedeutung zukommen, so Herr Grenke.

Das zweite Podium beschäftigte sich in engem Zusammenhang zum Thema Europa und grenzüberschreitender Kooperation mit der grenzüberschreitenden Ausbildung. Es diskutierten Vertreter von französischen und deutschen Hochschulen und Ausbildungseinrichtungen sowie Unternehmen, die Lehrlinge aus Deutschland und Frankreich ausbilden. Herr Prof. Dr. Holger BECKER, stellvertretender Rektor der Dualen Hochschule BW in Karlsruhe, betonte, sie wären sehr offen für neue Projekte zur Förderung der dualen Ausbildung. Die Hochschule arbeitet eng mit Unternehmen wie SAFRAN in Molsheim zusammen, dessen Direktor Marc Schott anmerkte, die Unternehmen müssten generell attraktiver werden, um die besten Talente anzuziehen, ob diese nun aus Frankreich oder aus Deutschland kämen. Keinen Unterschied mehr machen hinsichtlich der Herkunft der Auszubildenden, wäre das nicht der beste Beweis für eine gelungene Integration? 

Herr Peter CLEISS, Direktor der Beruflichen Schulen Kehl, teilte mit, dass von 1200 Schülern nur in etwa 50 aus dem Elsass kämen. Er würde es sich selbstverständlich wünschen, dass mehr Schüler aus Frankreich den Weg nach Kehl schaffen, zumal die Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich noch extrem hoch ist. Seines Erachtens wären auch die sinkenden Sprachkenntnisse der jungen Elsässer kein Problem, gelänge es doch den Beruflichen Schulen Kehl, in nur wenigen Monaten afghanische und syrische Schüler zu integrieren, die die deutsche Sprache vorher gar nicht beherrschten. Herr Marc VEDRINES, Leiter der Abteilung für Mechatronik des INSA Strasbourg, bedauerte seinerseits, dass derzeit erst wenige Deutsche in der Hochschule eingeschrieben wären, und dies, obwohl die INSA bestens auf ausländische Studenten ausgerichtet wäre.

Michael ENDERLE, der in den Badischen Stahlwerken in Kehl für die Ausbildung der Lehrlinge verantwortlich ist, zeichnet ein erfreuliches Bild: für 40 Stellen für Auszubildende erhalten wir in etwa 180 Bewerbungen, von denen ein Gutteil aus dem Elsass kommen. Und 2016 wäre einer ihrer Auszubildenden – der Elsässer Pierre Kurtz – als „bester Lehrling Deutschlands“ ausgezeichnet worden.

Zum Abschluss des Abends wurde der CAFA RSO-Preis 2018 an ein Team von jungen Ingenieuren verliehen, die im Rahmen des TriRhenaTec-Programmes einen Roboter entworfen und entwickelt hatten. 

Der Abend gibt Anlass zur Hoffnung, dass die „transrheinische“ Kooperation bei unserer Jugend in guten Händen ist und endlich der politische Wille da ist, an einer Zukunft zu arbeiten, die nicht hinter ihren Ambitionen zurück bleibt.

Norma Serpin

 

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