Grenzüberschreitende Mobilität – und wie soll es nun weitergehen?

„Grenzüberschreitende Mobilität“ war das Thema einer Podiumsveranstaltung, welche der CAFA-RSO im Februar 2018 veranstaltet hatte, um auf bestehende Probleme hinzuweisen (siehe auch: http://www.cafa-rso.eu/index.php/fr/agenda/manifestations-passees/detailevenement/44/-/soiree-thematique-le-transport-transfrontalier-dans-le-rhin-superieur).

Um die Nachhaltigkeit der Veranstaltung herzustellen, haben wir einige der politisch Verantwortlichen und der Betroffenen-Vertreter auf dem Podium um eine Nachlese gebeten. Dabei zeigen sich einige positive Entwicklungen, obwohl uns das Hauptproblem zu weniger rheinüberschreitender Brücken wohl noch einige Jahrzehnte begleiten wird.

Lesen Sie dazu die Statements unserer Podiumsgäste! Etwa ein Mal im Jahr werden wir künftig nachhaken, wie sich das Thema weiter entwickelt.

Marduk Buscher 

***

 

Evelyne Isinger, Vorsitzende der Kommission Transport der Region Grand Est (übersetzt vom CAFA RSO)

Die grenzüberschreitende Mobilität ist auf bestem Weg!

Die ersten Ergebnisse einer Studie, die von der Region Grand Est getragen und von mehreren Partnern (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland, Schweiz, europäische Fonds) mitfinanziert wird, liegen mittlerweile vor.

Bestärkt von diesen Ergebnissen und vor den Hintergrund verschiedener anderer Elemente – so laufen dies- und jenseits des Rheins bestehende Betriebsverträge aus, das französische Eisenbahntransportgesetz wurde nivelliert – nimmt die grenzüberschreitende Mobilität in der Region Oberrhein und darüber hinaus wieder an Fahrt auf.

Wir stehen heute tatsächlich an einem Scheideweg: der politische Wille zu handeln und mehrere positive Faktoren begünstigen ein ehrgeiziges Programm zum Ausbau des Schienenpersonennahverkehrs und der Fahrgastinformation. 

So unterzeichneten die Region Grand Est und die Länder Rheinland-Pfalz und Saarland Resolutionen zur nachhaltigen Verbesserung der Verkehrsangebote zwischen Deutschland und Frankreich. Das Land Baden-Württemberg wird dem Beispiel folgen, sobald die Gespräche hinreichend fortgeschritten sind.

Doch die grenzüberschreitende Mobilität ist nicht nur auf bestem Weg, sondern legt auch gleich an Geschwindigkeit zu. Auch das Umladen der Fracht an der Grenze sollte bald der Vergangenheit angehören. Diese Verbesserungen sind ein konkreter Beitrag zu dem europäischen Aufbauwerk, das sich unsere Bürger wünschen und an dem sie arbeiten.

 

Resolution zur Verbesserung der Verkehrsangebote zwischen der Region Grand Est und dem Saarland

Resolution zur Verbesserung der Verkehrsangebote zwischen der Region Grand Est und Rheinland-Pfalz

 

***

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jochen Schiewer, Rektor der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Präsident von Eucor – The European Campus

Europa erfahren – mit einem Semesterticket am Oberrhein

Wer Europa in seiner Vielfalt erleben will, kann dies nicht allein von zuhause aus. Europäische Erfahrungen bedürfen eines Ortswechsels, eines Perspektivenwechsels und persönlicher Begegnungen. Erst mit dem Blick über den Tellerrand wird der Horizont weit.

Der grenzüberschreitende Universitätsverbund Eucor – The European Campus, zu dem die Universitäten Basel, Freiburg, Haute-Alsace und Strasbourg sowie das Karlsruher Institut für Technologie zählen, ermöglicht seinen Studierenden tagtäglich europäische Erfahrungen. Durch die Verzahnung der Universitäten und das Öffnen der Lehrangebote können sich die Studierenden einen trinationalen Stundenplan zusammenstellen und ihren gewählten Studiengang quasi à la carte in Deutschland, Frankreich und der Schweiz studieren. Ein attraktives Angebot, das in der Umsetzung jedoch ein großes Maß an Eigeninitiative und Vorleistung von den Studierenden voraussetzt. Denn um im wahrsten Sinne des Wortes Europa zu „erfahren“, müssen je nach Ziel verschiedene Tarifangebote der Verkehrsunternehmen verglichen und kombiniert sowie Kosten von ca. 250 bis 500 Euro vorgestreckt werden. Sowohl für die Studierenden als auch für die Universitäten, die die Fahrtkosten im Nachhinein teilweise oder in Gänze erstatten, kann diese Situation nicht befriedigend sein – umso weniger vor dem Hintergrund, dass sich der Verbund zu einer „Europäischen Universität“ weiterentwickeln will.

Der Vorschlag des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron, Europäische Universitäten aufzubauen, hat neuen Schwung in die europäische Wissenschaftspolitik gebracht. Die Europäische Union hat das Thema aufgegriffen und ein Förderprogramm für Europäische Universitäten ins Leben gerufen. Für Eucor – The European Campus beinhaltet dies die Chance, eine neue Qualität der Zusammenarbeit zu erreichen. Der Verbund möchte im Zuge dessen auch die Mobilität erleichtern. Wir fordern ein trinationales Semesterticket am Oberrhein – unkompliziert und bezahlbar.

Am 19. Februar diesen Jahres hat der deutsch-französische Wirtschaftsclub CAFA RSO eine Veranstaltung zum grenzüberschreitenden Verkehr am Oberrhein organisiert. Auf dem Podium in Baden-Baden diskutierte ich unter anderem mit dem baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann, der Präsidentin für Transport und Verkehr von Grand Est Evelyne Isinger sowie dem Präsidenten der Eurometropole Strasbourg Robert Herrmann über die dringende Notwendigkeit eines trinationalen Semestertickets. Seitdem ist Eucor – The European Campus einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Auf dem Weg zur Europäischen Universität bekommt der Universitätsverbund starken Rückenwind aus der Politik. Am 12. April unterzeichneten in Strasbourg Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Jean Rottner, Präsident der Region Grand Est, und Sophie Béjean, Rectrice der Académie de Strasbourg, eine gemeinsame Absichtserklärung, Eucor – The European Campus zu einer Europäischen Universität weiterzuentwickeln. Teil dieser Idee muss eine unkomplizierte Mobilität sein, und dafür ist ein gemeinsames Semesterticket das beste Instrument. Das ist auch den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern bewusst. Für das Semesterticket rechnen wir mit großer politischer Unterstützung – damit die Studierenden am Oberrhein einfacher und günstiger als bisher alltäglich Europa erfahren können.

 

 

 

Connexion

Suchen

Newsletter