Grenzüberschreitende Rettungsflüge : Fehlanzeige!

Besuch des CAFA-RSO bei der DRF Luftrettung am Baden-Airpark

Baden-Baden / Strasbourg, 29.9.2018

Etwa 30 interessierte Mitglieder und Gäste des Deutsch-Französischen Wirtschaftsclubs „Club d’Affaires Franco-Allemand du Rhin Supérieur – Oberrhein“, oder kurz CAFA RSO waren dieser Tage zu Besuch auf dem Baden-Airpark und haben sich Einrichtungen und Möglichkeiten des „Operation-Centers“ der „DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige AG“ präsentieren lassen.

Die Gäste zeigten sich beeindruckt von dem großen Engagement der DRF-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, welche sie sowohl durch Einsatzzentrale und Bereitschaftsquartiere der Luftrettung als auch den Hangar und die Hubschrauberwerft führten.

Vielen war nicht bewußt, daß sich in den nach außen unscheinbaren Gebäuden auf dem Airpark-Gelände die „Zentrale Koordinierungsstelle für Intensivtransporte Baden-Württemberg“ befindet, welche auch bundesweit die Flugbewegungen aller ca. 50 Einsatz-Hubschrauber an 29 Standorten sowie der beiden für die Rückholung verletzter oder erkrankter Bundesbürger aus dem Ausland eingesetzten Lear-Jets befindet.

Der gemeinnützige Verein mit mehreren Tochtergesellschaften geht zurück auf die Initiative der Björn Steiger Stiftung, die dem Motto folgt „Wir helfen Leben retten“. Unter Aufsicht des Regierungspräsidiums Stuttgart agiert die DRF seit bald 50 Jahren zum Wohle verletzter oder erkrankter Menschen, wenn ein Transport auf dem Boden zu lange dauern würde oder nicht möglich wäre. Dies ist immerhin in über 38.000 Fällen pro Jahr (2017) notwendig.

Wie bestellt, konnte die Besuchergruppe hautnah erleben, mit welch professioneller Ruhe eine in Rufbereitschaft befindliche Crew auf den Einsatzalarm reagierte und innerhalb der vorgeschriebenen zwei Minuten Reaktionszeit mit ihrem Helikopter das Flughafengelände verließ.

Die deutsch-französische Besuchergruppe des CAFA RSO interessierte natürlich vor allem auch das grenzüberschreitende Engagement der DRF Luftrettung und mußte leider erfahren, daß es zwar einen grundlegenden Kooperationsvertrag gibt, welcher Rettungsflüge auch jenseits des Rheins ermöglichen würde, daß aber wegen grund-verschiedener Entscheidungsprozesse und Usancen im gleich gegenüberliegenden Elsaß praktisch ausschließlich der einzige in Strasbourg stationierte und staatlich betriebene Rettungshubschrauber „Dragon“ zum Einsatz kommt, obwohl in vielen Fällen die deutschen Hubschrauber sehr viel schneller an einer in Frankreich gelegenen Unfallstelle vor Ort sein könnten. Lediglich Rücktransporte von verletzten Franzosen in ein Krankenhaus in Strasbourg kämen immer wieder mal vor, aber die Einsätze an Unglücksstellen im Elsaß könne man an einer Hand abzählen. 

Man spürte den Mitarbeitern an, daß dieses Verwaltungs-Hemmnis sich nicht mit ihrem hohen ethischen Anspruch verträgt. „Wir wollen doch Leben retten – ganz gleich, welcher Nationalität der Verletzte auch sei und wo im Umkreis von etwa 60 Kilometern sich die Unglücksstelle befindet“, brach es förmlich aus der referierenden XXX Langer heraus, welche die Disposition der am Airpark stationierten 14 Hubschrauber verantwortet. Und XXX Blum, Technischer Leiter der Hubschrauberflotte und der Werft, ergänzte, wir seien doch schließlich in Europa, und da müßten doch „grenzüberschreitende Einsätze heutzutage selbstverständlich sein“.

Leider deckt sich dieser Frust mit anderen Erfahrungen des CAFA RSO, welcher schon im letzten Jahr angesichts der neuen französischen Entsendegesetze, welche den Einsatz von Mitarbeitern deutscher Firmen in Frankreich regeln, oder auch im Rahmen einer CAFA-Veranstaltung zum grenzüberschreitenden Verkehr leider die Erfahrung machen mußte, daß der europäische Gedanke am Oberrhein längst noch nicht von allen Behörden auch so gelebt wird, wie Bürgerinnen und Bürger, aber auch Firmen auf beiden Seiten des Rheins es für wünschenswert halten würden.

Trotz dieser lösbaren Schwierigkeiten wird so mancher Gast der Veranstaltung gerne den Antrag auf eine Förder-Mitgliedschaft in der DRF Luftrettung mitgenommen haben, denn schließlich kann jeder Bürger am Oberrhein einmal in die mißliche Lage kommen, auf einen Hubschrauber der DRF Lebensrettung angewiesen zu sein.

www.drf-luftrettung.de

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